Reisebericht zur Aconcagua Expedition 29.11.2011 bis 21.12.2011

Am 29.11.2011 begann die Expedition zum Aconcagua, dem höchsten Berg Südamerikas (6.962 m) am Flughafen von Frankfurt. Die Begrüßung der Gruppe erfolgte am 30.11.2011 am Flughafen in Santiago de Chile. (Mein Flug wurde bereits für den 28.11. gebucht – einen Tag vor den Teilnehmern)
Bereits 2 Stunden nach Ankunft erfolgte der Weiterflug nach Mendoza in Argentinien. Wir wurden am Flughafen bereits von unserem einheimischen Assistenzführer Julver empfangen und gleich darauf in das Hotel nach Mendoza gebracht. Nach kurzer Regeneration holten wir im Nationalparkbüro unsere Permits für den Nationalpark Aconcagua ab. Nach Erledigung der Formalitäten stand besseres Kennenlernen bei einem guten argentinischen Steak am Programm.
Am 01.12. fuhren wir mit dem Bus in das Hotel Aylen nach Los Penitentes (Schigebiet) um im dortigen Lager (Keller des Hotels) unsere Ausrüstung für das 3tägige Trekking und der anschließenden Bergbesteigung zu packen.
02.12.
Nun begann unser Abenteuer Aconcagua.

Eingang Vacastal - Trekkingbeginn
Eingang Vacastal - Trekkingbeginn

Unsere Ausrüstung wurde auf Mulis geladen und wir konnten mit einem leichten Tagesrucksack unser Trekking zum Basislager Plaza Argentina beginnen. Die erste Etappe führte uns vom Eingang des Nationalparks durch das Vacastal zum Camp Pampa de Lena (ca. 2.870 m). Dieses erreichten wir nach ca. 6 Stunden Fußmarsch. Nachdem die Zelte aufgebaut wurden saßen wir am Esstisch und staunten nicht schlecht, als uns frisch gegrilltes Fleisch (Assado) serviert wurde. Dazu eine gute Flasche Rotwein und der Tag konnte als sehr gelungen abgehakt werden.

Grillspezialität Assado im Camp Plaza Pampa de Lena - Anmarsch
Grillspezialität Assado im Camp Plaza Pampa de Lena - Anmarsch

Bereits um 08.00 Uhr des Folgetages wurden die Zelte abgebaut und nach einer guten Tasse Kaffee starteten wir in Richtung des nächsten Camps Casa de Piedra (ca. 3.300 m). Dieses erreichten wir nach ca. 6 Stunden. Erneut Zeltaufbau und Abendessen – Paella von Julver (Assistenzführer) zubereitet. Bereits 200 m vor Erreichen des Camps hatten wir den ersten Blick auf unser Ziel – den Aconcagua.

Basislager Plaza Argentina nach Schneefall
Basislager Plaza Argentina nach Schneefall

Relativ zeitig (09.00 Uhr) erfolgte am 04.12. der Abmarsch in das Basislager Plaza de Argentina auf 4.200 m. Nach ca. 200 m mussten wir einen Fluss queren.

Flussquerung - bitter kalt
Flussquerung - bitter kalt

An und für sich nichts Besonderes, in diesem Fall jedoch war keine Brücke vorhanden und auch kein Tragetier, welches uns durch das kalte Nass bringen könnte. Also, Schuhe aus und durch. (So schlimm war es dann jedoch auch wieder nicht).
Der Weiterweg führte uns vorerst durch einen sehr schmalen Graben. Dieser öffnete sich im oberen Teil zu einem schönen breiten Kar durch das wir in Richtung Basislager weitermarschierten und dieses nach ca. 7 Stunden erreichten. Dort wurden wir bereits zum Lunch empfangen. Nun konnte sich jeder seinen Schlafplatz (Einzelzelt) errichten und sich erholen. Das Basislager liegt auf ca. 4.200 m Seehöhe. Deshalb wurde den Teilnehmern Ruhe und Erholung verordnet. Auch der Folgetag wurde der Erholung gewidmet. Einziger Pflichttermin: Besuch des Basislagerarztes (Ärztin). Dieser Besuch hatte es in sich. Erst nach der 3. Untersuchung erhielten alle Teilnehmer das OK für die Besteigung des Berges.

Am 6.12. war es wieder vorbei mit der Regeneration.

Hochlager 1
Hochlager 1

Es stand ein Transportgang zu Hochlager 1 (ca. 4.900 m) auf dem Tagesprogramm. Ein Teil der Gemeinschaftsausrüstung wurde ins Hochlager gebracht, dort deponiert und wieder ins Basislager abgestiegen.
Der 7.12. wurde erneut als Ruhe- und Packtag für den 08.12. genützt.

Büserschnee
Büserschnee

Nun war es an der Zeit, das Basislager zu verlassen und unsere „Arbeit“ am Berg begann. Frühmorgens des 8.12. starteten wir mit der restlichen Ausrüstung zu Hochlager 1, stellten die Zelte auf und verbrachten dort die erste Hochlagernacht. Am 9.12. wurde ein Transportgang zu HL 2 (ca. 5.500 m) durchgeführt und wieder zu HL 1 abgestiegen.

Hochlager 2
Hochlager 2

Nach einer 2. Nacht in HL 1 wurden die Zelte abgebaut und das Lager wurde um ca. 600 m nach oben verlegt.
Unser Hochlager 2 befand sich in einer Höhe von 5.500 m. Dies war auch eine gute Höhe, den vom Wetter passenden Gipfeltag abzuwarten. Dieser wurde uns für den 14.12. vorausgesagt. Wind am Gipfel von 10 – 15 km/h waren zu erwarten. Ich entschloss mich deshalb, 3 Nächte im Hochlager 2 zu verbringen und am 13.12. in das Hochlager 3 aufzusteigen und am Folgetag den Gipfel zu versuchen.
Diese Taktik brachte 2 Ruhetage für die Teilnehmer im Hochlager 2. Ich absolvierte zwischenzeitlich einen Transportgang zu Hochlager 3 (ca. 6.000 m) ins Camp Cholera um einige Ausrüstungsgegenstände dort zu deponieren.
Am 13.12. starteten wir geschlossen – alle Teilnehmer waren bei bester Gesundheit und Laune – Richtung Gipfel. Das Hochlager 3 wurde errichtet und die Ausrüstung für den Gipfeltag in die Rucksäcke gepackt.

Nach einer kurzen Nacht, geweckt wurde um 03.00 Uhr starteten wir bei bestem Wetter von Lager 3 zum Gipfel.

Gipfeltag
Gipfeltag

Der Weg führte uns vorbei am verfallenen Lager Independencia zur langen Traverse. An deren Ende erreichten wir einen guten Rastplatz – eine Höhle (genannt Cave) am Fuße der gefürchteten „Canaleta“ einer ca. 300 m hohen Schotterrinne.

Canaleta
Canaleta

Diese konnten wir ohne Schwierigkeiten – dank der guten Schneeverhältnisse – ersteigen. Eine kurze Schrecksekunde – ein koreanischer Bergsteiger rutschte am Ende der Canaleta auf Grund mangelhafter Ausrüstung aus und stürzte ca. 80 m in der Rinne ab. Ich begab mich sofort zu dem Bergsteiger, der in der steilen Rinne sich nicht mehr selbständig halten geschweige denn aus dieser aussteigen hätte können. Zum Glück blieb er unverletzt und so konnten Julver und ich den Koreaner aus der Rinne bergen und zum Steig zurückbringen. Dort wurde er an seine Landsleute übergeben. (Diesen Bergsteiger sollten wir dann im Abstieg nochmals treffen).
Nach 8,5 Stunden Gehzeit erreichten wir dann, nahezu bei Windstille, geschlossen den Gipfel des Aconcagua.

Gipfelfoto
Gipfelfoto

Die Freude unter den Teilnehmern und natürlich auch bei mir war riesengroß. Zeitlich hatten wir genügend Reserve so dass wir fast eine Stunde am Gipfel die Aussicht genießen konnten. Der Abstieg verlief für unsere Gruppe problemlos.
Ca. 400 m oberhalb des Lagers 3 trafen wir erneut auf den koreanischen Bergsteiger. Dieser irrte alleine durch die Gegend. Offensichtlich mit einer beginnenden Höhenkrankheit wurde er von mir gezwungen, mit uns zum Hochlager 3 abzusteigen. Vorerst war von seinen Begleitern nichts zu sehen. Ca. 100 m oberhalb des HL 3 saßen dann 2 Koreaner an welche ich den zu ihrer Gruppe gehörenden Bergsteiger übergab. Ohne unsere Hilfe hätte sich der koreanische Bergsteiger nicht mehr zurechtgefunden.
Trotz der Hilfeleistung erreichten wir nach ca. 3 Stunden Abstieg wohlbehalten unser Hochlager. Müde und zufrieden krochen wir in unsere Zelte und schliefen eine letzte Nacht im Camp Cholera.

HL 3 mit Aconcagua
HL 3 mit Aconcagua

Das Wetter zeigte sich auch noch am nächsten Tag von seiner schönen Seite und so gestaltete sich unser Abstieg ins Basislager Plaza de Mulas sehr angenehm.
Dort eingetroffen, stand einer ausgiebigen Gipfelfeier nichts mehr im Wege. Die letzten „Partytiger“ fanden erst nach Mitternacht in ihre Zelte zurück (ich war nicht der Letzte!!!!).
Mit etwas Kopfschmerzen machten wir uns am 16.12. auf den langen Weg (ca. 28 km)zurück in die „Zivilisation“, sprich Parkausgang Horconestal.

Parkeingang Horconestal
Parkeingang Horconestal

Von dort fuhren wir mit dem Bus zurück nach Los Penitentes und konnten die erste Nacht in einem Hotelbett genießen.
Kurzresümee zur Bergbesteigung:
Die Teilnehmer waren vom ersten Tag an mit vollem Einsatz bei der Sache. Es wurde nicht nur von einer guten Bergkameradschaft gesprochen, nein, diese wurde auch gelebt. So gestaltete sich die Besteigung zu einem schönen Erlebnis für die gesamte Gruppe. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals bei allen Teilnehmern bedanken.
Anschlussprogramm:
Nachdem am Berg alles wie am „Schnürchen“ verlief, hatten wir noch 3 Tage Zeit ehe unser Rückflug nach Deutschland am Programm stand. Wir entschieden uns, diese restlichen Tage in Valparaiso (zählt zum Weltkulturerbe) zu verbringen. Michael, einer der Teilnehmer, kannte diesen Ort bereits und dank seiner sehr guten Spanischkenntnisse wurde dieser Ausflug nochmals zu einem vollen Erfolg. Mit Hafenrundfahrt, Schwimmen im Pazifik und natürlich ausgezeichnetem Essen (hauptsächlich Fisch) fand unsere Reise einen wunderschönen und wahrscheinlich für jeden von uns einen unvergesslichen Abschluss.
Bevor wir am 20.12. das Flugzeug der LAN Airlines bestiegen, hatten wir noch Zeit für ein Sightseeing in Santiago de Chile. Nach ca. 14 Stunden Flugzeit mit Zwischenstopp in Madrid landeten wir am 21.12.2011 um 18.00 Uhr wohlbehalten, gut gelaunt und in allen Belangen zufrieden am Flughafen in Frankfurt.
Abschließend noch ein paar Gedanken zur Reise:
Am 30.11. trafen sich 7 fremde Menschen am Flughafen in Santiago mit dem Ziel den Aconcagua zu besteigen. Am 21.12. verabschiedeten sich 7 Bergfreunde am Flughafen in Frankfurt. Diese 23 Tage zeigten, wie man durch Zusammenhalt, Rücksichtnahme und Kameradschaft nicht nur das Ziel, Gipfel des Aconcagua, erreicht, sondern auch Freunde gewinnt.
Bedanken möchte ich mich noch bei Gabl Charly unserem Wetterexperten aus Innsbruck für die erneut punktgenaue Wetteransage. Weiters bei meinen Bergführerkollen Andreas Sippel und Luis Stitzinger sowie Pamela Mogler für ihre Vorbereitungsarbeiten im Vorfeld der Expedition.
So macht das Expeditionsbergsteigen richtig Spaß.

Gipfelpanorama
Gipfelpanorama - Traumhafte Bergwelt

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