Rückkehr nach Österreich

Ich bin am 24.5. in München angekommen. Meine Tochter Julia brachte mich dann gleich nach Innsbruck ins KH zur Untersuchung meiner Erfrierungen. Zum Glück wurde vom dortigen Arzt festgestellt, dass keine Operation erforderlich sein wird. Knochen und Knorbel sind nicht verletzt.

Die letzten Tage waren sehr stressig für mich. Die vielen Telefonate mit Journalisten und den ganz Rummel bin ich nicht gewöhnt. Körperlich fühl ich mich topfit, im Kopf bin ich jedoch recht müde 😉

Ich hätte mir nie gedacht, dass eine “Selbstverständlichkeit am Berg” solche Reaktionen auslöst. Ich hab mich jedenfalls über all die positiven Kommentare auf meiner Homepage (insbesondere von Ruben‘s Angehörigen) sehr gefreut und eure Rückmeldungen helfen mir auch sehr in diesen stressigen Zeiten.

Derzeit genieße ich es wieder zu Hause bei der Familie und bei den Freunden zu sein. Ich werde ich mich noch einige Wochen ausruhen und dann gehts wieder ab in die Berge. Freu mich schon wieder.

 LG, Rupert

Rettungsaktion auf 8700m

Hier ein Kurzbericht von den dramatischen Ereignissen der letzten Tage:

Ich bin wie geplant am 19. um 01:00 vom letzten Lager auf 8300m gestartet. Die Amical-Gruppe ist bereits 2 Std früher aufgebrochen. Als ich auf 8700m war, kamen mir die Teilnehmer der Amical Gruppe (jeder mit künstlichem Sauerstoff und eigenem Climbing Sherpa) entgegen. Sie waren alle am Gipfel, berichteten aber, dass ein Amerikaner erblindet ist und Probleme hat abzusteigen. Wenig später traf ich auf den Amerikaner mit seinem Sherpa, und sah sofort, dass diese beiden in größten Schwierigkeiten waren. Ich entschloss mich, auf den Gipfel zu verzichten und gemeinsam mit dem Sherpa zu versuchen, den Amerikaner in Sicherheit zu bringen. 4 Leichen, die man im Aufstieg sieht, sind Mahnung genug. Die anderen Teilnehmer der Amical-Gruppe waren bereits alle abgestiegen. Die Rettungsaktion war extrem anstrengend. Ich war der einzige, der keinen künstlichen Sauerstoff zur Verfügung hatte. Wir schafften es, den Amerikaner in sichere Höhen zu bringen. Ich spürte, dass auch ich Probleme mit den Augen bekam und die Nase ist gefroren. Ich stieg daher in der Nacht noch bis 7000m ab, wo ich völlig erschöpft um 23:00 ankam. Bei stockdunkler Nacht baute ich mein Zelt auf. Am Morgen bin ich weiter bis ins Basislager abgestiegen, wo ich soeben angekommen bin. Die Augen sind wieder OK, nur die Nase muss ich mir schnellstens verarzten lassen. Ich organisiere jetzt gerade die Rückfahrt nach Kathmandu und den schnellstmöglichen Rückflug nach Österreich.

Das Wetter hätte gepaßt für eine erfolgreiche Gipfelbesteigung, aber ein Menschenleben ist wichtiger.

Schöne Grüße an alle Zuhause, Rupert

Planung für den Gipfelsturm

Hallo Zuhause,

hier ist derzeit Stillstand – was zumindest mich betrifft.

 Ich werde heute nochmals ein letztes Telefonat mit Charlie Gabl führen und entscheide mich dann, wann ich starte. Derzeit sieht es so aus, – und glaube, dass Charly nichts Anderesmelden wird – dass ich am 18. in Richtung Lager 2 starte, dann am 19. im Lager 3 auf 8.300 m bin und am 20. wäre dann der Gipfeltag. Die anderen Teilnehmer der Amicalgruppe werden mit deren Sherpas am 17. starten und gleichzeitig mit mir von Lager 2 aus weitergehen. Derzeit sind bereits einige Bergsteiger unterwegs – ist jedoch extrem windig am Berg. Wäre für mich ohne Verwendung von künstlichem Sauerstoff nicht möglich – viel zu kalt!!

Ich bin jedenfalls ganz gut drauf, schlafe gut, Essen ist zwar nicht sehr abwechslungsreich aber zumindest ausreichend.

LG, Rupert

Erster Depotgang auf 7600m

Seit der Abreise aus dem Basislager der Shisha Pangma hat sich einiges getan. Zuerst war es gar nicht so einfach vom Basislager wegzukommen. Ich musste, da nur ein Jeep zur Verfügung stand, mit Luis und Alix bis Nyalam fahren – ca. 200 km in die Gegenrichtung. Am nächsten Tag fuhren die beiden über die Grenze, ich bekam mein Fahrzeug zum Basislager Everest. Von Nyalam bis ins Basislager sind es ca. 500 km. Die letzten 3 Stunden auf schlechter Schotterstraße. Die Fahrt musste ich natürlich extra bezahlen – war nicht billig. Im Basislager angekommen, war von meiner Agentur (Tamserku aus Nepal) niemand anwesend. Lediglich ein Schlafzelt stand im BC. Zum Glück traf ich von Asian Trekking (eine andere Agentur aus Nepal) den Koch. Karlou war unser Koch bei der Cho Oyu Expedition. Er nahm mich gleich in das Asian Team auf und dort wurde ich 4 Tage super verpflegt.  Die Aussicht auf den Everest ist wirklich atemberaubend.

Anmarsch ABC links Everest rechts Pumori
Anmarsch ins ABC, links Everest rechts Pumori – Foto Rupert Hauer

Am 10.5. entschloss ich mich dann, ins ABC aufzusteigen. Der Weg dorthin ist wunderschön, super Aussicht auf die Bergwelt des Himalaya mit Everest, Pumori und all die anderen umliegenden Gipfel. Normalerweise wird die Strecke in 2 Tagen bewältigt. Es sind immerhin 30 Kilometer und ca. 1.200 HM. Ich benötigte für die Strecke 5 Stunden 30 Minuten. War ein ganz guter Test für die weitere Aufgabe.

Im ABC auf 6.400 m angekommen, wurde ich ganz gut verpflegt und konnte meine Speicher wieder auffüllen. Der Aufstieg zum Gipfel wurde am gestrigen Tag mit Fixseilen fertig versichert.

 Gestern, 12.05.2013, habe ich den ersten Transportgang gemacht. Ich wollte eigentlich nur ins Nordcol auf 7.000 m gehen. Das Wetter war stabil und ich fühlte mich so gut, dass ich entschied bis ca. 7.600 m aufzusteigen. Dort wurden Zelt, Kocher, Gas usw. deponiert. Ich möchte dann, wenn ich Richtung Gipfel aufbreche, ebenfalls das Nordcollager auslassen und erst auf 7.600 m mein Lager aufschlagen. Gestern habe ich für die 1.200 HM ca. 6 Stunden benötigt. Auf 7.600 m war es bitter kalt, sehr starker Wind und daher bin gleich wieder ins ABC abgestiegen, nachdem ich meine Ausrüstung deponiert habe. Ich fühle mich konditionell sehr stark. Jetzt hoffe ich nur noch auf passendes Wetter, dann geht’s los. Einige planen den Gipfeltag für 16., manche für 17., andere hingegen tendieren zum 20.5.. Ich muss noch einige Wetterberichte einholen und werde mich dann für einen Gipfeltag entscheiden. Tendenz geht auf 18. bis 21.5.

Everest vom CBC 5200m aus - Foto Rupert Hauer
Everest vom CBC 5200m aus – Foto Rupert Hauer

Die Aussicht vom Nordcol ist grandios. Pumori, Cho Oyu und viele andere Berge, die ich nicht kenne. Bevor ich starte, werde ich mich nochmals melden.

LG aus dem ABC