Ausführlicher Bericht über meine Shisha Pangma Besteigung

Hier nun ein ausführlicher Bericht über meine Besteigung der Shisha Pangma.

Ich habe gleich am Anfang mit Luis und Alix eine schnelle Akklimatisation besprochen. Beide haben sofort zugestimmt, auf Schnelligkeit zu setzen. Der Erfolg hat uns letztlich Recht gegeben. Vom Eintreffen im ABC (advanced base camp) bis zum Gipfelerfolg vergingen lediglich 13 Tage. Eine sehr schnelle Zeit, da waren wir wirklich sehr effizient unterwegs.

Natürlich gehört dazu auch sehr viel Wetterglück. Ich bin am 1.5. ins ABC zurückgekehrt. Mit der Rückkehr ins ABC ist auch das schlechte Wetter gekommen und laut Voraussage geht die nächsten 6 – 8 Tage gar nichts am Berg.

Nachdem wir die Akklimatisation sehr schnell abgeschlossen haben, wurde uns für den 30.4. ein Wetterfenster vorausgesagt. Um dieses Fenster ideal zu nutzen, trafen wir die Entscheidung, mit nur 2 HL (Hochlager) zu arbeiten, ürsprünglich waren 3 HL geplant. Am 28.4. stiegen wir mit den Schiern zu HL 1 (6.450 m) auf und verbrachten dort eine angenehme Nacht. Am nächsten Tag ging’s mit den Schiern weiter zum HL2. Wir haben das bereits aufgebaute HL 2 auf 6.850 m wieder abgebaut und sind mit der Ausrüstung weiter zum interimistischen „HL 2, 5“ (7.105 m) aufgestiegen. Dieses befand sich unterhalb der dortigen Aufstiegsrinne zum eigentlichen HL 3 (7.300 m). Wir haben diese Nacht zu 3. im Zelt verbracht (Alix, Luis u i) – war ok.

Mit der Gruppe von einem nepalesischen Anbieter (internationale Expedition mit Tunc, Alex, Santiago sowie deren 3 persönlicher climbingsherpas) haben wir ausgemacht, dass wir um 01.30 Uhr starten u. gemeinsam zum Gipfel gehen. Geplant war der Aufstieg über die Inaki Route – also eine komplette Querung der Nordostwand und dann Aufstieg durch eine Rinne und Flanke direkt auf den Gipfelgrat. Eine sehr interessante Route, welche auch von Edurne Passabane (erste Europäerin mit allen 14 8000ern) bestiegen wurde.

 Die angeführte Gruppe startete dann pünktlich. Wir kamen leider erst um 02:30 Uhr weg. Luis und Alix stiegen gemeinsam auf, ich war ein bisschen schneller. Am Ende der Querung der NO-Wand hab ich dann die Gruppe eingeholt und mich bei der Spurarbeit beteiligt. Das Spuren war extrem anstrengend, da sich lediglich 2 Sherpa (Dawa und Mimgma) und ich beteiligten. Zwischen den Sherpas und mir funktionierte das ganz aber dann sehr gut.

Als wir am Gipfelgrat ankamen, kam die Ernüchterung: sehr starker Wind mit Spitzen von sicher 80 bis 100 km/h (prognostiziert waren ca. 30 km/h) machte einen Aufstieg über den sehr ausgesetzten Gipfelgrat unmöglich. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt und so habe ich einfach zugewartet und nach ca. 1 Stunde legte sich der Wind plötzlich. Sofort stieg ich Richtung Gipfel auf. War wieder super viel Glück dabei, dass im entscheidenden Moment der Wind einschlief, denn nur so konnten wir den Gipfel erreichen. Als erster erreichte Dawa den Gipfel. Es war sein 14. 8000er – ein super Erfolg (er war allerdings der einzige, der mit künstlichem Sauerstoff unterwegs war).

 

Gipfelfoto Shisha Pangma
Gipfelfoto Shisha Pangma

Ich konnte ca. 30 Minuten am Gipfel verweilen. Nachdem die Fotos im Kasten waren, stieg ich wieder zu Fuß zum Schidepot ab. Danach fuhr ich alleine in Richtung HL 2 ab. Auf 8000 m bei windverfrachtetem Schnee ist die Abfahrt halt auch nicht ganz so schön. Der Vorteil: ich war superschnell wieder im HL2. Dort packte ich die Sachen und fuhr weiter zu HL 1, wo ich um ca. 14.30 Uhr eintraf. Im HL 1 verbrachte ich dann die Nacht und fuhr am nächsten Tag, nachdem ich beide Zelte (ich benötigte ca. 2 Stunden fürs Abbauen – harte Arbeit) verstaut habe, fuhr ich zum Depot am Gletscherbruch ab. Bei dieser Abfahrt hatte ich meine komplette Ausrüstung und die 2 Zelte mit. Mit diesem Gewicht am Rücken war keine Traumabfahrt möglich, aber wie gesagt, mit Ski geht es einfach megaschnell und Haltungsnoten werden hier heroben eh keine Vergeben.

Die anderen Teilnehmer bzw. Gipfelbesteiger (insgesamt 10 Leute) kamen erst um ca. 17 bis 18 Uhr ins HL 2. Ein Teilnehmer der anderen Gruppe wurde bis nächsten Tag vermisst. Dieser konnte nach einer Nacht am Berg Gott-sei-Dank geborgen werden und ins ABC absteigen. Ein Wunder, dass er das überlebt hat. Mittlerweile sind alle Bergsteiger wohlbehalten im ABC zurück. Ich schicke euch ein Gipfelfoto mit dem mauterndorfer Wappen mit. Es ist mir eine Ehre, das mauterndorfer Wappen auf einem 8000er präsentieren zu dürfen.

Wie gesagt, ich hatte wieder ein super Glück, eine gute Taktik und und und

Jetzt freue ich mich auf die nächste Aufgabe. Ich werd bis 4.5. im ABC der Shisha bleiben und fahre dann weiter zum Basislager des Everest. Dort werde ich dann ab 5.5. auf ein passendes Wetterfenster warten. Haltet mir die Daumen, dass mir das Wetterglück weiterhin treu bleibt.

LG aus Tibet nach Österreich und in die ganze Welt

Rupert

PS: eine komplette Skibefahrung war aufgrund des starken Windes leider nicht möglich. Es fehlten ca. 80 bis 100 Höhenmeter. Dies trübt jedoch meine Freude über das Erreichen des Gipfels natürlich überhaupt nicht.

Sind wieder gut im Basislager angekommen

Hallo an alle Zuhause,

die Abfahrt von der Shisha Pangma mit dem ganzen Gepäck war nicht so genußvoll wie bei einer lungauer Skitour, aber schnell! Bin wieder gut im ABC angekommen. Das Bier schmeckt hervorragend. Ab morgen dann volle Konzentration auf den Everst…

LG, Rupert

Am Gipfel der Sisha Pangma!

Ich hab gerade ein SMS von Rupert bekommen (8 Uhr unserer Zeit / 14 Uhr in Tibet). Er steht am Gipfel der Shisha Pangma! Bisher alles perfekt gelaufen, ein super Erlebnis.

Genauerer Bericht folgt, wenn er wieder im Basislager.

LG, Reinhard